Tagebuch

19Mai

Im Dienste als Söldner

Bereits am Sonntag- Morgen kehrte ich aus Moskau zurück, wo ich am Weltcup- Turnier im Einsatz stand. Aufgrund der Zeitverschiebung war ich bereits um etwa 9 Uhr wieder in der Schweiz. Mit meiner Leistung war ich, obwohl ich keinen Final erreichte, nicht komplett unglücklich. Sowohl am Pferd wie auch den Ringen turnte ich meine Übungen mit Kampf aber ohne Sturz durch. Ausgerechnet an diesen beiden Geräten war die Konkurrenz sehr stark und man hätte ohne zu Übertreiben auch von einem kleinen WM-Final sprechen können. Im Nachhinein war es schade, dass ich am Barren nicht antrat, da mir dort eine durchaus turnbare Note für einen Finaleinzug gereicht hätte.

Schon morgen geht es wieder weiter mit dem nächsten Einsatz. Ich wurde kurzfristig von einer französischen Mannschaft angefragt, ob ich am Freitag einen 6- Kampf im Rahmen der französischen Mannschaftsmeisterschaft für sie bestreiten könnte. Ich bin nun offiziell ein Mitglied von Schiltigheim, dass in der Nähe von Strasbourg liegt. Meine Mannschaft ist in der 2. Liga und strebt mit allen Mitteln den Aufstieg in die 1. Liga an. In Frankreich ist es gestattet beliebig viele Ausländer im Team zu haben, im Gegensatz zu der Schweiz, wo gar keine Ausländer erlaubt sind. So starte ich in einer Mannschaft, in der lediglich ein Franzose turnt und die anderen 5 Turner aus halb Europa kommen. Neben mir stehen 2 Rumänen, ein Tscheche und ein Österreicher auf dem Wettkampfplatz. Alle kenne ich von gemeinsamen Trainingslagern oder von Wettkämpfen her. Fabian Leimlehner, der Österreicher, ist eigentlich sogar Schweizer, aber startet seit einigen Jahren für unser Nachbarland. Ihn kenne ich natürlich schon aus unserer gemeinsamen Nachwuchskader- Zeit, die nun auch schon mindestens 12 Jahre zurück liegt. Er wird auch mit mir zusammen im Auto nach Albertville fahren, wo der Wettkampf im Olympia- Stadion von 92 ausgetragen wird.

Ich hoffe, dass ich meinen Beitrag in dieser starken Mannschaft leisten werde und wir den Aufstieg für Schiltigheim Tatsache werden lassen.

À bientôt und en liebe Gruess

Mark

11Mai

Zürcher Kunstturnertage

Letzten Samstag tunte ich am Zürcher-Kunstturnertag in Neftenbach. Vor dem Wettkampf stellte ich fest, dass dies mein 1. kantonaler Kunstturnertag seit 4 Jahren sein wird – lange Zeit wars also her… Obwohl man die Vorbereitung als ziemlich improvisiert bezeichnen könnte, fühlte ich mich gut gerüstet für einen 6- Kampf. Ich verzichtete auf Experimente und turnte eher leichte Übungen. Am Pferd konnte ich nach einer sehr sauberen Übung beim Ausgang einen Sturz knapp vermeiden. Alle anderen Geräten gelangen mir gut. Mein persönliches Highlight war der Pferdsprung. Der Roche ( Überschlag Doppelsalto vorwärts ) zimmerte ich in den perfekten Stand. Die Kampfrichter konnten mir lediglich 3 Zehntel abziehen und es resultierte mit 16.30 eine meiner bis Dato höchsten Noten überhaupt. Entsprechend zufrieden war ich mit meiner Leistung nach dem Wettkampf und natürlich freute es mich besonders, dass ich auch den Mehrkampf gewinnen konnte. Obwohl es “nur” ein Kunstturnertag ist, hat gerade der Sieg am Zürcher einen gewissen Prestigewert, da es in der Regel der am stärksten besetzte nationale Anlass nach den Schweizermeisterschaften ist.

Zeit zum Ausruhen bleibt allerdings gar keine. Bereits morgen fliege ich nach Moskau, um am Weltcup – Turnier zu turnen. Die Qualifikation findet dann am Freitag statt. Ich werde versuchen, mich am Pferd und an den Ringen im starken Teilnehmerfeld zu behaupten und hoffe, dass ich mit ein wenig Wettkampfglück auch am Samstag in einem Gerätefinale vertreten sein werde. Neben dem Wettkampf werde ich hoffentlich auch etwas von dieser beeindruckenden Stadt sehen, in der ich zuvor noch nie gewesen bin und ganz sicher werden die sommerlichen Temperaturen ( 25 Grad und mehr ) noch zusätzlich zu meiner momentan sonst schon sehr guten Laune beitragen :-)

Do svedanja oder einfach auf deutsch, auf Wiedersehen

Mark

30Apr

Steigerung gelungen

Nach dem nicht zufrieden stellenden Auftritt in der Qualifikation hatten wir bereits am nächsten Tag die Möglichkeit im Teamfinale unsere Sache besser zu machen. Die Auslosung ergab, dass wir am Pferd zusammen mit den Italienern den Wettkampf starten werden. Wir waren heiss auf den Wettkampf und wollten zeigen, dass wir am Vortag deutlich unter Wert geschlagen wurden. Leider musste unser Startturner Roman Gisi das Gerät verlassen, womit für mich der Druck als 2. nicht weniger wurde, da auch wieder im Modus 5-3-3 geturnt wurde und es somit wiederum kein Streichresultat gab. Meine Übung gelang mir noch besser als am Vortag und ich erhielt diesmal auch über 14.0 Punkte. Ich war froh, dass mir der Start so gut gelang und wollte den Schwung gleich an die Ringe mitnehmen, wo ich meinen nächsten Einsatz hatte. Auch hier gelang mir die Übung besser und im Gegensatz zum Vortag wurden mir vom Kampfgericht auch alle Teile anerkannt. Nach diesen 2 Geräten hatte ich nun bis zum Abschlussgerät Boden Pause. Ich entschied mich, nicht zurück in die Einturnhalle zu gehen, sondern meine Teamkollegen bei ihren Übungen anzufeuern. Es zeichnete sich im Laufe des Wettkampfs ab, dass wir trotz Fehlern nicht weit vom Podest waren. Unser Ziel war der 5. Platz, aber wir Athleten liebäugelten insgeheim mit einem Rang auf dem Treppchen. Als wir zu unserem letzten Gerät dem Boden wechselten, lagen wir auf dem 5. Platz. Unsere direkten Gegner waren Spanien und Frankreich. Wir wussten, dass wir unsere Übungen hinstellen mussten und dann allenfalls von Fehlern dieser 2 Nationen profitieren können. Meine Kollegen und ich turnten ohne Fehler und konnten nun entspannt zuschauen, was die Anderen turnten. Sowohl die Spanier als auch die Franzosen behielten die Nerven und wir blieben auf dem 5. Rang. Es gelang uns Italien und Rumänien hinter uns zu lassen, die am Vortag noch vor uns klassiert waren.

Unser Wettkampf war trotz einiger Fehler wesentlich besser als am Freitag und mit dem 5. Rang konnten wir auch unser Minimalziel erreichen. Mit einem fehlerlosen Wettkampf wäre der 3. Rang möglich gewesen, aber im Wettkampf gibt es nun mal Fehler. Natürlich streben wir die Perfektion, sprich keine Fehler, an. Doch ein Wettkampf beinhaltet immer eine gewisse Unberechenbarkeit, die nicht trainiert werden kann.

Bei meinen 6 Darbietungen, die ich an diesen 2. Wettkampftagen turnte, unterlief mir kein grober Fehler und ich konnte meine Trainingsleistungen auch umsetzen. Obwohl ich noch immer nicht so gut turne wie vor meiner Verletzungspause, bin ich zufrieden, dass ich bei meiner Rückkehr an einen Grossanlass nach 2 Jahren Unterbruch, mit meinen Übungen zu diesem guten Resultat den erwarteten Beitrag leisten konnte.

Nach der Rückreise gab es keine wirkliche Pause. Bereits am Mittwoch stand ich wieder in der Halle. Am Samstag in einer Woche habe ich an den Zürcher- Kunstturnertagen den nächsten Einsatz und werde auch wieder einen 6-Kampf turnen. Die nächsten Wochen werde ich neben dem täglichen Training auch wieder vermehrt an die Uni gehen, da ich im Juni ein 1. Mal Prüfungen habe und es noch einiges zu tun gibt, um diese auch erfolgreich zu absolvieren…

Ich wünsche ein schönes Wochenende.

Liebe Grüsse

Mark

23Apr

Qualifikation in Birmingham

Nach einer etwas langen, aber dennoch relativ angenehmen Busreise (knapp 20 Stunden), kam unsere Delegation in Birmingham mitten in der Nacht von Samstag auf Sonntag an. In den folgenden Tagen ging es darum, uns optimal auf den Wettkampf einzustellen und auch ein gutes Feeling an den sonst eher selten beturnten Geräten der Marke Continental zu bekommen. Am Mittwoch ging es im Podiumstraining(einziges Training in der Wettkampfhalle) ein erstes Mal richtig zur Sache. Ich genoss das Gefühl wieder einmal auf einem Podium zu turnen und konnte all meine Übungen ohne Fehler absolvieren. Natürlich gab es noch einige Sachen, die ich besser hätte machen können, aber im Podiumstraining geht es primär darum, sich mit der ganzen Umgebung anzufreunden und in den 12,5 Minuten, die an jedem Gerät zur Verfügung stehen, auch so viel wie möglich ran zu gehen.

Aufgrund der Vulkanaschewolke fehlten vor allem zu Beginn der Woche viele Nationen. Mit jedem Tag kamen jedoch frisch- angereiste dazu und über die Nichtanwesenden kursierten zum Teil ziemlich wilde Gerüchte. Wir versuchten uns so wenig wie möglich ablenken zu lassen und uns einzig und allein auf unsere Sachen zu konzentrieren.

Heute Freitag galt es dann richtig ernst. Um 14.00 starteten wir am Barren. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir, dass Weissrussland, Ukraine und auch Titelkandidat Nummer 1 Russland nicht am Start sein werden. Ich hatte am Barren zwar keinen eigentlichen Einsatz, aber war trotzdem recht in Action, da ich meine Kollegen beim Vorbereiten so gut wie möglich unterstützte. Als unsere Mannschaft am Reck war, zog ich mich in die Einturnhalle zurück, um mich nochmals an den Geräten aufzuwärmen. Meinen richtigen Auftakt hatte ich dann am Boden. Ich konnte meine Übung zwar ohne Fehler durchbringen, hatte aber teilweise grössere Probleme, was  sich auch in der Note niederschlug. Da wir  zu diesem Zeitpunkt schon einige Fehler zu beklagen hatten, konnten wir uns trotz der Abwesenheiten einiger starken Konkurrenten nicht mehr all zu viel erlauben, um den 8. Rang nicht doch noch zu verpassen. Leider stürzte unser Startturner Roman am Pferd und ich musste nun als 2er ans Gerät. Meine Übung gelang mir recht ansprechend, obwohl hier die Note auch nicht wirklich hoch ausfiel. Wir wurden im Vorfeld bereits auf die strenge Taxierung hingewiesen, dennoch ist es gewöhnungsbedürtfig für eine gute Leistung nicht einmal die 14-er Marke zu knacken…

An den Ringen hatte ich meinen letzten Einsatz des Tages. Alle Kraftelemente gaben keinen Anlass zur Diskussion, da ich sie über 2 Sekunden hielt. Hingegen wurde mir ein Schwungteil nicht anerkannt, was wiederum zu einer unerwartet tiefen Ausgangsnote führte. Am Sprung musste ich mich nun mit Daumen drücken für meine Kollegen  begnügen. Da wir noch immer mit Nationen im Kampf waren, mit denen wir eigentlich nicht rechneten,  musste auch jeder der 3 Sprünge klappen. Zu unser aller Erleichterung stellten Roman, Claudio und auch Niki ihre Sprünge sauber hin. Nach 2 von 3 Subdivisionen belegten wir den 4. Rang. In der letzten Abteilung folgen nur noch 3 wirkliche Gegner und wir sollten somit in der Endabrechnung den 7. Platz belegen und die Möglichkeit bekommen, bereits morgen unsere Sache im Teamfinal besser zu machen.

16Apr

Mission Teamfinal wird gestartet!

Endlich geht es los! Morgen früh bricht unsere Delegation nach Birmingham auf. Ursprünglich war unser Abflug am Samstag Nachmittag vorgesehen, doch aufgrund des Vulkanausbruches in Island hat unser Verband schnell reagiert und den Reiseplan ein wenig umgestellt. Wir werden nun bereits am Samstag Morgen um 06.30 mit dem Bus nach Birmingham fahren. Obwohl ein Flug sicher angehnemer gewesen wäre als eine etwa 20stündige Busfahrt, sind wir Athleten froh, dass wir dennoch irgendwie nach Birmingham kommen. Im Vergleich zu anderen Nationen sind wir sicher noch gut bedient mit dieser Reiseart. Wie ich selbst erst seit kurzem weiss, wurde unser Wettkampf aufgrund der Ereignisse sogar um einen Tag verschoben und wir werden die Qualifikation daher am Freitag bestreiten und nicht am Donnerstag.

Unser Ziel ist natürlich der Teamfinal vom Samstag. Voraussetzung um dabei zu sein ist, dass wir in der Quali unter den besten 8 sind, was zwar nicht einfach, aber durchaus machbar sein sollte. Diese Woche konnten wir noch einmal viel Zuversicht tanken, denn in den beiden Testwettkämpfen konnten wir uns kontinuierlich steigern. Mittlerweile wissen wir auch, wer an welchen Geräten  im Einsatz stehen wird. Wie erwartet werde ich am Pferd und den Ringen im Einsatz stehen. Dass ich aber auch am Boden turnen werde, zeichnete sich zwar die letzten Wochen ab, ist aber dennoch für mich ungewohnt, da der Boden eigentlich noch nie zu meinen allerbesten Disziplinen gehörte. Vor allem Ende des letzten Jahres hätte ich damit ganz und gar nicht gerechnet, da ich wegen Knieschmerzen kaum mehr springen konnte. Ich freue mich umso mehr, dass ich nun an diesem Gerät das Vertrauen bekomme, was eine weitere Bestätigung für die gute Arbeit ist, die die Ärzte, Physios und ich geleistet haben nach der Knieoperation vor  1  1/2 Jahren.

Bereits jetzt bin ich topmotiviert und freue mich wie ein kleines Kind, endlich wieder an einem Grossanlass zu turnen. Trotz der etwas unkonventionellen Reise bin ich sicher, dass unser Team einen kurzweiligen und lustigen Trip haben wird, bevor dann in Birmingham der Fokus ganz auf unsere Aufgabe und das Erreichen unseres Zieles gerichtet sein wird.

In diesem Sinne: Have a nice evening and GO SWITZERLAND!

12Apr

Schlussspurt zur EM hin

Am vergangenen Samstag fand mit dem Länderkampf in Dietikon ein letzter offizieller Test vor der EM statt. Claudio Capelli, der am Weltcup in Paris im Einsatz stand, wurde durch Kimon Wegmann ersetzt, der somit zu seinem Länderkampf- Debüt kam. Ansonsten turnten wir mit der Mannschaft, die auch für die EM geplant ist. Ich stand an allen 6 Geräten im Einsatz, da im Gegensatz zur EM mit einem Streichresultat geturnt wurde und ich zur Absicherung auch an meinen weniger starken Geräten eingesetzt wurde. Es gelang mir ein Wettkampf ohne groben Fehler, was für mich nach den letzten, für mich nicht überzeugenden Darbietungen, wichtig war und auch für die noch bleibenden Tage bis zum Saisonhöhepunkt zusätzliches Selbstvertrauen gibt. Leider belegte unser Team in der Endabrechnung nur der 3. Rang hinter dem Sieger Grossbritanien und Weissrussland. Am Pferd hatten wir einen Sturz zu beklagen, der in die Wertung kam. Bis auf diesen Fehler zeigten wir dem Publikum, das uns grossartig unterstützte, einen ziemlich guten Wettkampf. Wenn man bedenkt, dass wir noch nicht in Idealbesetzung am Start waren und noch Zeit bleibt, einige Zehntel in Detail zu holen, ist trotz des nur 3. Ranges keine Grund zur Panik gegeben. Dennoch hätten wir vor heimischem Publikum gerne gewonnen, was bei einem Rückstand von 3 Punkten auf GB und einem Punkt auf Weissrussland kein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre.

Bei allen Übungen habe ich noch Steigerungspotenzial. Wie bereits gesagt, sind vorallem bei mir viele Zehntelspunkte noch mit Detailarbeit zu gewinnen, welches nun die Hauptarbeit bis zur Abreise sein wird. Ganz wichtig für ein gutes Mannschaftsresultat wird eine solide Leistung am Pferd sein, wo ich sicher im Einsatz stehen werde. Auch an den Ringen ist mein Start in Birmingham gewiss. Ich hoffe nun, dass ich diese Woche endlich wieder schmerzfrei die Kraftteile trainieren kann, was mir in letzter Zeit kaum möglich war. Eine Entzündung im Ellenbogen zwang mich, dass ich mich zurückhielt, um die ganze Problematik nicht noch zu verschärfen. Noch immer ist nicht klar, an welchen anderen Geräten ich allenfalls zu einem Einsatz komme. Wir werden diese Woche 2 Testwettkämpfe in Magglingen absolvieren, um auch herauszufinden , welches die optimale Geräteaufstellung sein wird.

Ich werde mich also mit gestärktem Selbstvertrauen und bereits einer gewissen Vorfreude auf die baldige Abreise in diese Woche stürzen und mit meinen Teamkollegen nochmals an den Übungen schleifen, denn um das angestrebte Resultat unter den besten 8 zu erreichen, wird es auf jeden Zehntel ankommen.

En liebe Gruess

Mark

07Apr

Vorbereitung auf die EM

Vor knapp 2 Wochen fanden die Qualifikationen für die EM vom 21.- 25. April in Birmingham statt. Ich turnte an beiden Ausscheidungen alle Geräte. Sowohl in dem 1. wie auch dem 2. Wettkampf belegte ich im Mehrkampf den 2. Rang, was eigentlich gar nicht so schlecht wäre. Dennoch war ich mit den gezeigten Leistungen überhaupt nicht zufrieden. Ich hatte Stürze zu beklagen und meine Noten waren tief… Dass ich trotzdem beide Male auf dem Podest stand, verdankte ich lediglich den Umständen, dass einige Turner wegen Verletzungen gar nicht am Start waren und die, welche turnten ebenfalls nicht wirklich gut turnten. Besonders dramatisch verlief der Wettkampf am Samstag. Nach dem Wettkampf vom Freitag mussten Nils Haller und auch der bereits angeschlagene Lukas Fischer für den Samstag verzichten, weil sie sich beide verletzten. Am Samstag verletzte sich im Einturnen dann auch noch Manuel Rickli. Er riss sich am Boden die Achillessehne. Ehrlich gesagt hatte ich im 1. Moment, als ich Manuel am Boden liegen sah, nicht mehr gerade viel Lust zum Turnen, da es keinen Spass macht, zu zuschauen, wie sich gute Kollegen am Laufmeter verletzen und ich brauchte einige Zeit um mich wieder auf meine Aufgabe zu konzentrieren.

Bereits am Montag folgte dann die Entscheidung, wer die Vorbereitung für die EM bestreiten wird und zum Einsatz kommt. Aufgrund der angespannten Personalsituation blieben auch noch einige Fragezeichen. Da ich einer der mehr oder weniger Gesunden war, stehe ich im Aufgebot und werde auch an der EM teilnehmen. Mittlerweile sind auch einige andere Leistungsträger wieder wettkampffähig und somit haben wir nun doch noch eine ziemlich starke Mannschaft. Ich werde mir Claudio Capelli, Niki Böschenstein, Roman Gisi und Lukas Fischer die Schweiz im Teamwettkampf an der EM vertreten. Unser Ziel ist eine Rangierung unter den besten 8 Mannschaften von Europa und somit die Berechtigung im Teamfinal um eine Medaille zu kämpfen. Wer welche Geräte turnt, wissen wir noch nicht.

Im Moment gilt es im Training noch den nötigen Feinschliff an den Übungen vorzunehmen, um alle unnötigen Abzugsmöglichkeiten auszumerzen. Es wurden auch noch gewisse Übungen ein wenig angepasst, um die Stabilität zu erhöhen. Da an der EM ohne Streichresultat geturnt wird, wirkt sich jeder Fehler fatal aus. Somit versuchen wir aus taktischen Gründen möglichst wenig Risiken einzugehen und einige Zehntel an Schwierigkeit zu opfern, um an Sicherheit zu gewinnen. An diesem Samstag werden wir alle auch noch ein letztes Mal vor der EM an einem Wettkampf im Einsatz stehen. Während Claudio am Welt- Cup in Paris turnt, werden wir anderen Turner in Dietikon an einem Länderkampf gegen Weissrussland und Grossbritanien antreten. Diese beiden Nationen waren in der Vergangenheit immer etwa mit uns auf Augenhöhe und es wird somit sehr interessant werden, so kurz vor einem Grossanlass noch einmal gegen direkte Konkurrenten zu testen.

Der Wettkampf findet am Samstag um 19.30 statt und unsere Mannschaft freut sich natürlich über jeden Fan, der kommt, um uns zu unterstützen und anzufeuern.

Also Daumen drücken und en liebe Gruess

Mark

21Mrz

Kein Auftakt nach Wunsch/ Kampf und Krampf im Training

Am vergangenen Wochenende wurde die Wettkampfsaison mit dem Weltcup-Turnier in Cottbus so richtig lanciert. Trotz der kurzen und hektischen Vorbereitung, die ich aufgrund einer Verletzung am Finger hatte, freute ich mich auf meinen 1. WC-Start seit langer Zeit. Am Freitag Nachmittag bestritt ich die Quali am Pauschenpferd und den Ringen. Von den etwa 35 Startenden am Pferd musste ich als 9. ans Gerät. Bei dem E-Flop, einer Verbindung von Kreisen mit Drehung auf einer Pausche , die ich in der Mitte meiner Übung turne, musste ich das Gerät verlassen und hatte so natürlich keine Chance auf eine Finalteilnahme. Bereits im Vorfeld fühlte ich mich nicht besonders wohl bei diesem Element, da es viel Gefühl braucht, das ich nicht unbedingt hatte, wegen der wenigen Trainings. Trotzdem regen mich solche Fehler auf und ich will keinesfalls den Trainingsrückstand als Vorwand für meine dürftige Leistung an meinem Lieblingsgerät bringen. Schliesslich sollte ich mittlerweile als Turner genug Erfahrung haben, um mich von solchen Voraussetzungen nicht aus dem Konzept bringen zu lassen.  An den Ringen war ich  gegen Ende des Starterfeldes an der Reihe. Ich begann meine Übung sehr gut und bot den Kampfrichtern bei den Kraftteilen nur geringe Möglichkeiten, Abzüge zu machen. Im 2. Teil der Übung musste ich allerdings diesen Effort teuer bezahlen, da mir die nötige Power bei den Schwungteilen fehlte und ich dadurch allein in den letzten 3 Elementen der Übung gegen einen Punkt verlor. Somit verpasste ich  an den Ringen ebenfalls den Final, wenn auch  nur um 4 Zehntel. Natürlich störte es mich, dass ich die Möglichkeit eines Ringefinals, die auf dem Silbertablett bereit lag, nicht wahr nahm. Im Gegensatz zum Pferd fand ich diesen Fehler jedoch nicht so tragisch, da man Kraft und Ausdauer nicht mit Routine, sondern nur mit Trainingsstunden erlangt, die mir, wie bereits erwähnt, noch fehlten.

Zu allem Elend lief es auch den andern Schweizern, bis auf Claudio, der am Barren 3. wurde, nicht wirklich gut. Besonders viel Pech hatte mein Zimmerkollege Roli Häuptli, der am Boden nach einer sehr guten Übung in der letzten Diagonale stürzte. Die Untersuchungen auf dem Wettkampfplatz liessen auf eine Bänderverletzung am Fuss schliessen, was dann bei genaueren Abklärungen in der Schweiz leider auch bestätigt wurde. Bereits am letzten Freitag wurde Roli operiert.

Unglücklicherweise ist Roli nicht der einzige Verletzte in unserem Team. Noch einen Tag vor ihm musste Claude-Alain Porchet an der Hüfte operiert werden. Auch für Danny Groves ist eine mögliche Teilnahme an der EM wegen einer Schulterverletzung, wie für die anderen beiden, nicht möglich. Ob Lukas Fischer, unser Neuling in Magglingen,  die Ausscheidungen turnen kann, wird sich noch zeigen, da er an starken Rückenschmerzen leidet. Somit darf im Hinblick auf die EM rein gar nichts mehr passieren, da uns langsam aber sicher die Leute für eine schlagkräftige Mannschaft ausgehen…. An dieser Stelle all meinen verletzten Teamkollegen gute Besserung.

Auch ich hatte die ganze Woche einerseits mit einem schmerzenden Ellenbogen und einer entzündeten Schulter, anderseits auch mit den zahlreichen Wettkampfübungen an den Geräten zu kämpfen. Was die Schulter und den Ellenbogen betrifft, bin ich sehr guter Dinge, dass ich übers Wochenende die Schmerzen in den Griff  kriegen werde und bis zur Quali mit Hilfe der Physios zu 100% fit sein werde. Da ich vorallem am Barren und Reck die letzten Wochen kaum trainieren konnte, war es ein ziemlicher Kaltstart, den ich hinlegen musste. Parellel zu den Übungen musste ich dort auch die schwierigen Einzelelemente verbessern, was eigentlich in den letzten Wochen, die ich verpasste, hätte passieren sollen. Besonders erschwert wurde die Woche neben dem happigen quantitativen Inhalt auch dadurch, dass wir 3 Mal täglich in der Turnhalle zu stehen hatten und das 1. Training um 7 Uhr morgens über die Bühne ging.

Ich hoffe nun, dass sich diese Anstrengungen bereits nächste Woche auszahlen werden und ich die 1. Wochenhälfte nochmals viel Selbstvertrauen tanken kann, um dann am Freitag und Samstag die beiden EM- Qualis in Zuzwil erfolgreich zu meistern.

En liebe Gruess Mark

10Mrz

Weltcup in Cottbus

Nach meiner dummen Fingerverletzung war lange nicht klar, ob ich am Weltcup in Cottbus starten kann. Glücklicherweise hatte das Trainerteam vertrauen, dass die Wunde bis zum Wettkampf verheilen wird und nahmen mich nicht vorzeitig aus dem Starterfeld. Am Montag vor einer Woche wurden die Fäden gezogen und seitdem konnte ich täglich den Finger wieder besser benutzen. Anfangs dieser Woche turnte ich erstmals wieder alle Elemente an den Ringen und bereits letzte Woche konnte ich das Pferdpauschentraining zu 100% absolvieren. Somit war klar, dass ich, trotz anfänglicher Bedenken, dieses Wochenende den 1. Wettkampf der Saison turnen werde.

Es ist seit knapp 1 1/2 Jahren mein 1. Start an einem WC-Turnier und ich freue mich natürlich wahnsinnig auf diesen Einsatz. Aufgrund des Trainingsrückstandes am Barren, wo ich wegen der Verletzung am Finger noch nicht alle Elemente der Übung turnen konnte, werde ich auf dieses Gerät verzichten und mich ganz auf meine 2 anderen Einsätze am Pferd und den Ringen konzentrieren. Bereits morgen reist unsere Delegation via Berlin nach Cottbus. Am Freitag findet dann die Qualifikation für die Finals statt, die am Samstag und Sonntag  über die Bühne gehen werden. An jedem Gerät starten ungefähr 30 Teilnehmer zur Quali. Die besten 8 Athleten pro Gerät kämpfen in den Finals um den Gerätesieg. Eine Mehrkampf- wie auch eine Teamwertung gibt es nicht. Neben mir werden Claudio Capelli, Manu Rickli und Roli Häuptli die Schweizerfarben vertreten. Leider verletzte sich letzte Woche Danny Groves, der ebenfalls für diesen Wettkampf vorgesehen war, an der Schulter und muss aufgrund dieser Verletzung sogar auf die EM verzichten.  Da dieses Jahr die Konkurrenz nicht so hoch zu sein scheint wie in anderen Jahren, erhoffen wir uns natürlich den einen oder anderen Final, obwohl wir noch nicht in Hochform sind.

Da ich nun noch packen muss, was bei all den Sachen die ich mitzuschleppen habe, einige Zeit in Anspruch nimmt, sollte ich wohl langsam damit beginnen, dass ich dann morgen früh um 6 Uhr zur Abreise Bereit bin :-)

So hoffe ich nun bei meinem nächsten Bericht über einen Finalstart zu schreiben.

Also, Daumen drücken und bis bald.

Liebe Gruess

Mark

19Feb

Dumme Verletzung in ungünstigem Moment!

Eigentlich wollte ich Ende dieser Woche in meinem Bericht schreiben, wie die Fortschritte in den letzten Wochen waren. Vorallem die vergangenen 2 Wochen waren sehr intensiv und gingen ziemlich an die Substanz. Trotzdem konnte ich mich stetig verbessern und kam mit jedem Training mehr in Fahrt. Neben den einzelnen Übungsteilen gelangen mir auch die kompletten Übungen immer besser. Im Kraftbereich zeigten die harten Kraftraumeinheiten nun auch erste positive Resultate. Mein Knie hielt den Belastungen ebenfalls problemlos stand. In einem Sprungkrafttest konnte ich sogar meine Bestresultate, die ich vor der OP erzielte, übertrumpfen, was mir einen zusätzlichen Motivationsschub gab.

Leider änderte sich die ganze Situation heute morgen komplett. Bei einem neuen Element am Barren, dass ich innert kürzestert Zeit erlernte, hatte ich einen Missgriff mit fatalen Folgen. Schon während dem Grifflösen spürte ich einen stechenden Schmerz an meinem Mittelfinger und konnte das Element nicht wie gewünscht zu Ende turnen. Sofort schaute ich meinen Finger an, der stark blutete. Im ersten Moment dachte ich, dass ein Knochen rausgesprungen, oder der Finger kurz aus dem Gelenk gerutscht ist. Es kamen auch gleich Erinnerungen an einen Trainingsunfall eines Turnkollegen auf, der sich beim gleichen Element einen offenen Fingerbruch zugezogen hatte. Trotz der tiefen Platzwunde konnte ich allerdings meinen Finger einigermassen bewegen, was mich ein wenig beruhigte. Dennoch sah mein Finger etwa so aus, wie eine Bratwurst, die schön eingeschnitten wurde und auf dem Grill verplatzt… Sogleich konnte ich zu einem Arzt, der die tiefe Wunde nähen musste.

Ich muss nun sicher die nächsten 9 Tage auf Hang- und Stützelemente verzichten, was konkret heisst, dass ich an den Geräten gar nichts machen kann. Der Zeitpunkt ist ungünstig, da in dieser Traininsphase der Grundstein für die Wettkämpfe gelegt wird. Ich werde nun versuchen, meinen sonst guten physischen Zustand mit Kraft- und Ausdauertraining zu konservieren und alles für eine schnelle Heilung zu unternehmen. Somit sollte sich der Trainigsrückstand in Grenzen halten und ,da ich bis zu diesem Zeitpunkt sehr gut im Fahrplan lag,  der Weltcupstart mitte März und vorallem die Qualifikationen für die EM, die Ende März stattfinden werden, nicht in Gefahr sein.

Trotz dieses morlischen Dämpfers bin ich nach wie vor guter Dinge, in dieser Saison wieder dahin zu kommen, wo ich vor meiner Verletzung war, die nun 16 Monate zurückliegt.

En liebe Gruess ond es schöns Weekend,

Mark